Aphrodite - Die Göttin der Liebe

Aphrodite ist die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde und wurde laut Mythos aus dem salzigen Schaum des Meeres geboren. Natürlich handelte es sich hierbei um keinen normalen Meeresschaum, sondern der Schaum soll von den Genitalien des Uranos erzeugt wurden sein, als er gewaltsam von seinem Sohn Kronos entmannt wurde (siehe hierzu auch: Wie entstanden die Götter?). Sie ist damit auch älter als ihre andere Götter-Geschwister.

Kythera soll die erste Stadt gewesen sein, die Aphrodite willkommen hieß, nachdem sie dem Meer entstieg. Der Name Aphrodite leitet sich entsprechend ihrer „Geburt“ von „Aphros“, dem Schaum entstiegen, ab. Sie wird deshalb auch Die Schaumgeborene genannt.

Es gibt auch andere Mythen über die Abstammung von Aphrodite. So soll sie laut Homer Tochter von Zeus und Dione sein, andere Quellen wiederum sagen, dass sie aus einer Muschel geboren sei. So hat es auch Botticelli in seinem Bild „Die Geburt der Venus“ dargestellt. Die Venus ist das römische Pendant zur Aphrodite.

Die Geburt der Venus von Sandro Botticelli
Die Geburt der Venus von Sandro Botticelli.

Zwar ist Aphrodite auch die Göttin der Ehe, dennoch steht sie auch für die sinnliche Verführung. So verführt sie Männer, wie Frauen – selbst verheiratete. Sie ist für die Exzesse der Sterblichen verantwortlich.

Hinweis:
Manchmal wird sie auch als „die aus dem Salz Geborene“ (Haligeneous) bezeichnet Das ist übrigens auch ein Grund, warum Aphrodite manchmal mit einem Salzsäckchen in der Hand dargestellt wird. Es erinnert an ihre Geburt im salzigen Meer. Salz wurde bei den antiken Griechen mit Fruchtbarkeit und Fortpflanzung assoziiert. So musste man für die Teilnahme an der Aphrodisia, dem heiligen Fest der Aphrodite, einen Beutel Salz mitbringen, um so die Aphrodite zu ehren.1

Gleich nach dem sie dem Meer entstiegen ist, soll sie der Windgott Zephyr nach Zypern gebracht haben, wo die Horen, die Gottheiten die die vier Jahreszeiten verkörpern, sich Aphrodite annahmen (An anderer Stelle wird auch berichtet, dass sie gleich in Zypern an Land gegangen sei). Diese Horen übernahmen nicht nur die Erziehung der Aphrodite, sondern schenkten ihr auch noch einen magischen goldenen Gürtel, der sie unwiderstehlich machen soll. Laut einem anderen Mythos hat sie den Gürtel hingegen erst später von ihrem Gemahl Hephaistos bekommen. Wie dem auch sei, der Gürtel war sehr mächtig. So verlieh er die Fähigkeit, Götter in andere Göttinnen oder Sterbliche verliebt zu machen. Diese Macht hatte nicht einmal Zeus. So macht sie auch vor den olympischen Göttern nicht halt, lediglich Athene, Hestia und Artemis können ihr wiederstehen, schließlich haben sie sich der Jungfräulichkeit verschrieben. 2

Statue von Aphrodite
Statue von Aphrodite - Digitales Bild mit freundlicher Genehmigung von Getty's Open Content Program.

Vorstellung bei den Göttern

Von den Horen ging es schließlich als die Zeit reif war auf den Olymp. Hier hatte sie die versammelten Götter sofort auf ihrer Seite. Sie nahmen sie nicht nur auf, sondern kürten sie auch zur Göttin der Schönheit und Liebe. Da die Göttin der Liebe nicht alleine sein soll, gibt ihr Zeus seinen Sohn Hephaistos als Mann an die Hand. Dieser Schritt kam überraschend, da die Göttin der Schönheit ausgerechnet den hässlichsten Gott an ihre Seite bekam und beispielsweise nicht Apollon, mit dem sie zumindestens äußerlich ein sehr perfektes Paar abgegeben hätte. Hephaistos soll so hässlich gewesen sein, dass ihn seine Mutter Hera vom Olymp geworfen hatte und er seitdem nur noch hinken kann. Aphrodite kümmert das nicht angeblich nicht.

Die Konsequenz aus der Liebschaft mit Ares

Dies ist nicht verwunderlich. Sucht sie sich doch gleich nach der Heirat einen Liebhaber. Diesen findet sie im Kriegsgott Ares, der vor allem äußerlich deutlich besser zu ihr passt. Aus dieser Liebschaft stammen auch die Kinder der kindliche Liebesgott Eros, Harmonia, Phobos, Deimos und Anteros. Das sollte nicht ihr einziger Fehltritt sein. Auch mit Dionysos und vielleicht auch mit Poseidon soll sie Kinder gehabt haben. Auch Hermes war einer ihrer Liebhaber. Das Ergebnis war der Fruchtbarkeitsgott Priapos, der Dionysos aber vielleicht auch Hermes als Vater hat. Obwohl Priapos erst spät im Mythos auftaucht, gehört er dennoch zu den prägnantesten der griechischen Götter. Wird er doch stets mit einem sehr großen erigierten Glied gezeigt.

Der Hephaistos war lange nicht im Klaren, dass ihn seine Aphrodite regelmäßig mit Ares betrug. Immer dann, wenn er abends in seine Schmiede stand, um Schmuck oder Waffen für die Götter herzustellen. Doch die Liebschaft musste irgendwann herauskommen. Den entscheidenden Tipp bekam er von Helios, dem Gott der Sonne. Dieser erwischte Aphrodite mit Ares bei Sonnenaufgang gemeinsam im Bett und verpfiff beiden an Hephaistos (Dabei war Helios nur neidisch auf Ares, da er gerne selbst anstelle von Ares gewesen wäre). Der war außer sich vor Zorn und schmiedete ein Racheplan. Als sich Aphrodite und Ares mal wieder im Bett des Hephaistos vergnügten, nutzte dieser die Gelegenheit und fing beide Mitten im Akt durch ein Jagdnetz aus Bronze. So präsentierte er die beiden den anderen Göttern, die beim Anblick laut aus Schadenfreude zu lachen anfingen. So entstand das bekannte „homerische Gelächter“, das Homer als lautes, nicht enden wollendes Gelächter beschrieb.

Die Stelle findet man in Odyssee 8, 306–320 und liest sich in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß:

„Vater Zeus, und ihr andern, unsterbliche selige Götter!
Kommt und schaut den abscheulichen unausstehlichen Frevel:
Wie mich lahmen Mann die Tochter Zeus’ Aphrodite
Jetzo auf immer beschimpft, und Ares den Bösewicht herzet;
Darum, weil jener schön ist und grade von Beinen, ich aber
Solche Krüppelgestalt! Doch keiner ist schuld an der Lähmung,
Als die Eltern allein! O hätten sie nimmer gezeuget!
Aber seht doch, wie beid’ in meinem eigenen Bette
Ruhn, und der Wollust pflegen! Das Herz zerspringt mir beim Anblick!
Künftig möchten sie zwar, auch nicht ein Weilchen, so liegen!
Wie verbuhlt sie auch sind, sie werden nicht wieder verlangen,
So zu ruhn! Allein ich halte sie fest in der Schlinge,
Bis der Vater zuvor mir alle Geschenke zurückgibt,
Die ich als Bräutigam gab für sein schamloses Gezüchte!
Seine Tochter ist schön, allein unbändiges Herzens!“

Die Befreiung der beiden Ehebrecher aus dem Netz knüpft Hephaistos an die Bedingung, dass sowohl Ares als auch Aphrodite den Olymp verlassen müssen. Da sich Poseidon für die Befreiung der beiden ausgesprochen hat, erweitert Hephaistos die Bedingung noch, dass Poseidon selbst unter das Netz soll, wenn die erste Bedingung nicht eingehalten wird. So geht Ares in Thrakien ins Exil, während Aphrodite zurück nach Zypern gehen will. Bevor sie dies aber macht, schenkt sie Hermes noch eine gemeinsame Nacht, aus dem ein Zwitterwesen entsteht: Der Hermaphrodit.

Der Geliebte Adonis

Auch in Zypern kann sie vor Mann und auch Frau nicht haltmachen. Einem ist sie aber besonders angetan, Adonis. Es ist ihre erste und wohl auch letzte große Liebe.

Schon als er klein ist, will sie ihn nur für sich haben. So gibt sie ihn Persephone in die Unterwelt, damit er dort verborgen aufwachsen kann, ohne dass ihn ihr jemand wegnehmen würde. Doch auch Persephone ist von dem kleinen Adonis so verzückt, dass sie ihn gar nicht an Aphrodite zurückgeben möchte. Als Aphrodite den erwachsenen Adonis von Persephone abholen möchte, kommt es zum Eklat. Persephone weißt Aphrodite ab. So muss Zeus schlichten. Er beschließt, dass Adonis das erste Drittel im Jahr bei Persephone bleibt, im zweiten Drittel soll er zu Aphrodite und im letzten Drittel darf er selbst entscheiden wohin er geht. Persephone knüpft daran aber die Bedingung, dass Aphrodite nicht den magischen Zaubergürtel tragen darf, wenn Adonis bei ihr ist. Aphrodite stimmt zu, bricht aber gleich am ersten Tag ihr Versprechen, sodass Adonis ihr so sofort verfällt. Es überrascht deshalb nicht, dass Adonis für das letzte frei verfügbare Drittel sich dazu entscheidet, dieses ebenfalls bei Aphrodite zu verbringen.

Persephone kocht vor Wut wegen diesem Verrat. Lieber möchte sie Adonis tot sehen als dass er weitere Zeit mit Aphrodite verbringt. So wendet sich Persephone an Ares und steckt diesem, dass seine frühere Geliebte nun mit einem Menschen herummacht. Dieser fühlt sich in seinem Stolz verletzt, da er ausgerechnet durch einen Sterblichen ersetzt wurde. So verwandelt sich Ares in einen wilden Eber und greift Adonis in einem Wald an und verletzt diesen tödlich. So kommt Adonis nun doch wieder zu Persephone, ist sie doch die Göttin der Unterwelt und der Toten. Dieses Mal bleib Adonis bei ihr aber für immer.

Wie Aphrodite den trojanischen Krieg anzettelte

Während Aphrodite die Männer betört, sowohl die menschlichen als auch die göttlichen, sieht es bei den Frauen genau anders herum aus. Die Göttinnen sind neidisch auf Aphrodite und mögen diese nicht besonders.

So kommt es wie es kommen muss. Bei einem gemeinsamen Essen aller Götter auf der Hochzeit des Peleus und der Thetis wirft die Göttin der Zwietracht, Eris, einen goldenen Apfel in die Mitte der Versammelten. Auf diesem steht kryptisch geschrieben: „Für die Schönste“. Aphrodite fühlt sich natürlich davon angesprochen und will nach dem Apfel greifen. Doch sie ist nicht alleine. Auch Zeus Gattin Hera und Zeus Tochter Athene wollen den Apfel. Welche der Göttin ist nun die Schönste? Mal wieder muss Zeus den Richter spielen. Weise wie er ist, entscheidet er, dass kein Gott diese Frage beantworten soll, sondern ein Sterblicher. Die Wahl fällt auf Paris, den Sohn des Königs von Troja. Paris kann sich bei den schönen Göttinnen nicht entscheiden. Deswegen müssen diese ihn auf andere Wege überzeugen. Hera verspricht ihm ein ganzes Königreich, Athene verspricht ihm hingegen die Unbesiegbarkeit. Doch Aphrodite setzt noch eins darauf. Sie verspricht ihm seine Liebe, Helena von Sparta, obwohl sie schon einem anderen versprochen ist. Paris wählt ohne zu zögern Aphrodite. Sie gibt ihm im Gegenzug ihren magischen Gürtel und entfacht in Helena eine unbändige Leidenschaft. Er geht mit ihr fort und was folgt ist der bekannte Trojanische Krieg, geboren aus einer Eitelkeit unter Göttinnen. Wegen dieser Begebenheit unterstützte auch Aphrodite Paris und die Trojaner, während Hera und Athene auf Seiten der Griechen standen.

Statue von Aphrodite
Urteil des Paris - Bild von Peter Paul Rubens

Aphrodites Strafen

Nicht nur einen ganzen Krieg zettelte Aphrodite durch ihre Eitelkeit an. Wie auch bei den anderen Göttern, bekamen die Sterblichen den vollen Zorn der Aphrodite zu spüren, wenn sie über sie lästerten. So soll sie die Frauen von Lemnos mit einem üblen Mundgeruch versehen haben, weil sie ihren ihre Heiligtümer auf Lemnos vernachlässigt hatten. Als Folge vergnügten sich die Gatten lieber mit anderen thrakischen Sklavinnen. Dies wiederum brachte die gedemütigten Lemnierinnen dazu in einer Nacht alle männliche Bewohner der Insel umzubringen.

Doch nicht immer endete der Zorn von Aphrodite in Mord und Totschlag. So soll beispielsweise die Frau des Königs Kinyras von Assyrien damit geprahlt haben, dass ihre Tochter Myrrha schöner als Aphrodite sei. Durch diese Gotteslästerung ließ Aphrodite Myrrha in ihren Vater verlieben. Sie schliefen miteinander und zeugten so ausgerechnet Adonis. Als die Blendung herauskommt, wollte der Vater vor lauter Wut seine Tochter töten, die Götter hatten aber ein Einsehen und verwandelten sie stattdessen in einen Myrrhebaum.

Auch Musen waren nicht vor Aphrodite gefeit. Das musste beispielsweise die Muse der Geschichte, Klio, spüren, die Aphrodites Liebe zu Adonis, einem Sterblichen, verspottet hatte. Schwups, schon war Klio selbst in einem Menschen verliebt, in Pieros.3

Weniger Glück hatte ihre Schwester Kalliope, die Muse der epischen Dichtung, der Wissenschaft, der Philosophie und des Saitenspiels sowie die Muse des Epos und der Elegie. Sie hatte den salomonischen Richtspruch zwischen Aphrodite und Persephone gefällt, bei dem es um den Verbleib von Adonis ging. Zwar beugte sich Aphrodite bekanntlich dem Richtspruch, war darüber aber dennoch alles andere als erfreut. Nach manchen Quellen soll sie deshalb den Sohn der Kalliope, Orpheus, mit dem Tod bestraft haben.

Aphrodite und das Parfüm

Schon die alten Griechen kannten Düfte und Parfüms und auch in den Mythen spielten sie immer wieder eine Rolle (z.B. die Parfüme Panathenaium, Baccaris oder Psagdas aus Athen). Mit dabei war meist die schöne Aphrodite, die immer wieder durch ihren schönen Duft beschrieben wurde. In einer Geschichte nahm beispielsweise der Fährmann Phaon aus Lesbos eine alte Dame mit, ohne ihr etwas für die Übersetzung in Rechnung zu stellen. Zu seiner Verwunderung handelte es sich bei der alten Frau um die verkleidete Aphrodite, die Phaon als Zeichen ihrer Güte ein Öl schenkte, das ihn nicht nur verjüngen, sondern auch noch zum schönsten Mann auf Erden machen sollte.4 Andere Sagen hingegen berichtet, dass sich Aphrodite selbst in den jungen Phaon verliebt haben solle, weil dieser so schön war.

Auch in einem anderen Mythos spielt die Aphrodite und wohltuende Gerüche eine prägende Rolle. So soll die Göttin beim Verlust ihres Liebhabers Adonis so geweint haben, dass aus ihren Tränen duftende Adonisröschen entsprechen, die vom Blut des Adonis rot gefärbt wurden. 4

Quellen und Verweise





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