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Dädalus & Ikarus

Vom Flug des Ikarus hat wahrscheinlich schon jeder einmal gehört. Manch einer spricht ihm gar die Redewendung „Hochmut kommt vor dem Fall“ zu. War es doch Ikarus, der aus Übermut zu hoch geflogen und anschließend abgestürzt ist. Doch warum flog Ikarus überhaupt und warum spielt dafür insbesondere sein etwas weniger bekannter Vater Dädalus eine entscheidende Rolle? Alles über Dädalus und Ikarus findet man nachfolgend.

Dädalus in Athen

Der griechischen Sage nach war Dädalus (auch Daidalos) aus Athen ein Nachfahre des Hephaistos, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Vulkane. Dädalus selbst war ein herausragender Bildhauer, Baumeister und Erfinder. Seine gestalteten Figuren sollen lebensecht gewesen sein.

Eines Tages übergab seine Schwester Dädalus ihren Sohn Talos (je nach Quelle auch Perdix oder Calos) zur Lehre. Talos erwies sich als äußerst talentiert. Er bildete eines Tages mit Eisen das Rückgrat eines Fisches nach und erfand so die Säge. Auch die Erfindung des Zirkels soll auf seinen Einfallsreichtum zurückgehen. Dädalus reagierte hierauf voller Eifersucht und stieß seinen begabten Schüler die Akropolis herunter. Die Göttin Athene rettete Talos und verwandelte ihn in einen Vogel (in den Metamorphosen des Ovid, VIII 236-259 wurde Talos bzw. Perdix in ein Rebhuhn verwandelt, weshalb das Rebhuhn auch nach ihm benannt wurde, Rebhuhn - lateinisch Perdix perdix, französisch perdrix). Dädalus wurde für seine Tat mit der Verbannung bestraft und musste Athen verlassen.

Dädalus Exil auf Kreta

Dädalus fand Zuflucht auf der Insel Kreta. Dort herrschte der König Minos. Ihm hatte der Gott Poseidon als Zeichen seines Anspruchs auf die Königswürde einen prachtvollen Stier gesandt, den Minos ihm als Opfer darbringen sollte. Da das Tier Minos ausnehmend gut gefiel, brach er jedoch sein Versprechen und opferte den Stier nicht. Poseidon nahm daraufhin Rache, indem er dafür sorgte, dass Minos' Gemahlin Pasiphaë (eine Tochter des Sonnengottes Helios) sich in den Stier verliebte. Pasiphaë brachte Dädalus dazu, dass er ihr eine Kuhattrappe aus Holz baute, in die sie hineinschlüpfen konnte, um so den Liebesakt mit dem Stier zu vollziehen.

Aus dieser Verbindung ging der Minotaurus hervor - ein Halbwesen mit dem Kopf eines Stieres und dem Körper eines Menschen. Auf Geheiß des Königs baute Dädalus ein Labyrinth, in das Minos den gefährlichen Minotaurus einsperren ließ. Das Labyrinth war so raffiniert angelegt, dass sogar Dädalus selbst kaum den Weg herausfand, nachdem er es fertiggebaut hatte.

Aus Rache für seinen Sohn, für dessen Tod er den König von Athen verantwortlich machte, zwang König Minos die Athener, alle neun Jahre sieben junge Männer und sieben junge Frauen nach Kreta zu senden. Sie wurden in das Labyrinth des Minotaurus geschickt. Da sie aus dem Labyrinth nicht mehr herausfanden, fielen sie alle dem Minotaurus zum Opfer. Auf der dritten Fahrt fuhr Theseus als Freiwilliger mit nach Kreta: Er wollte den Minotaurus töten. Nachdem er den Minotaurus niedergestreckt hatte, gelang es ihm mit Hilfe von Minos' Tochter Ariadne, die sich in ihn verliebt hatte, mit dem heute bekannten Ariadnefaden und wertvollen Hinweisen von Dädalus auch tatsächlich das Labyrinth wieder zu verlassen.

Dädalus und Ikarus Flucht aus Kreta

Dädalus fiel daraufhin bei König Minos in Ungnade. Zusammen mit seinem Sohn Ikarus (auch Ikaros) wurde Dädalus nun auf der Insel gefangen gehalten. Ikarus war dem Dädalus von einer Sklavin des König Minos geboren worden.

Dädalus litt immer mehr unter der Verbannung aus seiner Heimat Athen und der Tyrannei des König Minos. Immer wieder dachte er über einen Ausweg nach. Minos ließ die Seewege strengstens bewachen, so dass eine Flucht unmöglich erschien. So kam Dädalus auf die Idee, Flügel zu konstruieren und durch die Luft zu fliehen. Er reihte unzählige unterschiedlich lange Vogelfedern aneinander und verband sie mit Wachs. Dann krümmte er das Gebilde leicht, so dass es den Schwingen der Vögel ähnelte.

Dädalus legt Ikarus die Flügel an
Dädalus legt Ikarus die Flügel an - Bild von Orazio Riminaldi (Italien, 1593 - 1630)

Am Tag der Flucht stiegen Dädalus und Ikarus auf einen hohen Felsen nahe dem Meer. Die genaue Stelle soll im heutigen Ort Agia Galini an der Südküste von Kreta befinden. Dädalus ermahnte seinen Sohn, beim Flug darauf zu achten, immer in der Mitte zwischen der Sonne und dem Ozean zu bleiben. Wenn er der Sonne zu nahe käme, würde diese das Wachs, das die Federn verband, zum Schmelzen bringen. Die Meeresgischt wiederum könnte die Flügel durchnässen und beschweren. Nach dieser Ermahnung verabschiedeten sich Vater und Sohn mit einem letzten Kuss. Dädalus legte dem Sohn die Flügel um und sie erhoben sich in die Lüfte.

Ikarus Absturz

Dädalus flog voraus, Ikarus folgte und bald waren sie weit über dem offenen Meer. Immer wieder blickte sich Dädalus nach seinem Sohn um. Ikarus fand zunehmend Gefallen an dem Abenteuer. Er genoss das Fliegen und als sie schon die Inseln Samos, Delos, Paros, Lebinthos und Calymne hinter sich gelassen hatten, stieg er immer höher in die Lüfte der Sonne entgegen.

Unter den sengend heißen Strahlen der Sonne schmolz das Wachs und die Flügel waren zerstört. Ikarus ruderte noch verzweifelt mit den Armen und stürzte dann ins Meer, wo er versank. Als Dädalus sich das nächste Mal umdrehte, war von seinem Sohn nichts mehr zu sehen. Alles Rufen blieb ohne Antwort. Am Strand einer Insel fand Dädalus schließlich das Federkleid der zerstörten Flügel und später auch den angeschwemmten Leichnam seines geliebten Sohnes. Seitdem wird das Meer, in dem Ikarus versank, das Ikarische Meer genannt. Die Insel, auf der er seinen Sohn fand und begrub, nannte Dädalus Ikaria. Beim Begräbnis des Ikarus soll ein Rebhuhn laut geschrieben haben. Dieses Rebhuhn soll der verwandelte Talos (Perdix) gewesen sein, der durch den Tod des Ikarus – ebenfalls durch einen Sturz – gerächt worden war. Schließlich wollte Dädalus Talos ebenfalls durch einen Sturz umbringen.

Sturz des Ikarus
Sturz des Ikarus von Johann Caspar Hessius

Dädalus auf Sizilien

Dädalus trauerte sehr um seinen Sohn. Er setzte aber seine Flucht fort und gelangte schließlich nach Sizilien. Dort nahm ihn der König Kokalos freundlich auf und beschützte ihn vor dem König Minos, der seinen entflohenen Baumeister zurückholen wollte. Auf Sizilien lebte Dädalus noch viele Jahre und machte in dieser Zeit so manche große Erfindung. Unter anderem ließ er dort auch einen Tempel errichten und weihte seine Flügel dem Gott Apollon.

Minos hingegen versuchte weiterhin Dädalus zurückzuholen. Um ihn aber überhaupt erst einmal zu finden, griff er auf eine List zurück. Er überlegte sich eine Aufgabe, von der er annahm, dass sie nur so ein genialer Geist wie Dädalus lösen könnte. Die Aufgabe war einfach und doch schwierig zu gleich: „Wie zieht man einen Faden durch ein spiralig gewundenes Schneckenhaus?“ Natürlich kam Dädalus auf die Lösung: Er bohrte das Schneckenhaus in der Mitte an und ließ eine Maise mit einem an ihren Körper befestigten Faden durch das Loch kriechen. Mit Honig lockte er sie anschließend an das Ende des Spiralgangs. Ausgerechnet König Kokalos erlangte Kenntnis von der Lösung und verriet diese. Nun verlangte Minos die Auslieferung von Dädalus. Doch Kokalos dachte gar nicht daran und lockte ihn unter falschen Tatsachen auf seine Insel zum Baden, wo Minos von Kokalos’ Töchter ermordet wurde. In anderen Überlieferungen war es Dädalus persönlich, der Minos brühend heißem Wasser übergossen habe, bis dieser starb.

Die Geschichte rund um Dädalus endet mit dem Tod des Minos. Wahrscheinlich ist Dädalus selbst auf Sizilien irgendwann gestorben.

Deutung der Sage

Der Mythos um Dädalus und Ikarus wird vorwiegend so gedeutet, dass die Götter den Übermut des Ikarus und seinen unerhörten Wunsch, nach der Sonne zu greifen, mit seinem Absturz und Tod bestraften. Nach Ovid, der die Sage in seinen Metamorphosen erzählt, ist der Tod des Ikarus die Strafe der Götter für Dädalus, weil dieser seinen Neffen Talos aus Eifersucht ermordet hatte.

Quellen und Verweise:



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