Schlacht von Marathon

Die Schlacht bei den Thermopylen ist dank des Kinofilms „300“ und den einprägsamen kriegerischen Elitesoldaten der Spartaner für viele ein Begriff. Dabei kam die Schlacht überhaupt erst zu Stande, da 10 Jahre zuvor in der Schlacht bei Marathon die Griechen, bzw. insbesondere die Athener, das erste Mal die persische Invasion stoppen konnte.

Schlacht von Marathon - Sturmlauf der Griechen
Szene aus der Schlacht von Marathon von John Steeple Davis

Wie genau die Schlacht bei Marathon ablief, ist leider bis heute nicht gesichert. Der einzige vollständige Bericht gibt es vom griechischen Historiker Herodot. Dieser schrieb den Kriegsbericht allerdings erst etwa 60 Jahren nach der Schlacht bei Marathon und berief sich dabei unweigerlich zu großen Teilen auf athenische Quellen, die wiederum nur eine sehr verklärte Sicht auf die Schlacht hatten. Schließlich wollte man sich mit dem Sieg gegen die übermächtigen Perser in ganz Griechenland profilieren und deutete vielleicht so das ein oder andere Detail um, damit die Geschichte der heroischen Athener noch besser klang. So gibt es im Bericht von Herodot einige Unklarheiten und auch nach heutigen Stand gesicherte Falschinformationen.

Ursachen der Schlacht

Das persische Reich unter König Dareios dehnte sich nach einigen Eroberungszügen aus und Griechenland war unter anderem wegen den reichen Silberminen ein interessantes Eroberungsziel. Nachdem die Perser im Jahr 545 vor unserer Zeitrechnung einen Sieg über Kroisos, dem König von Lydien, verzeichnen konnten, stand Griechenland für eine Invasion offen. Als aber im Jahr 494 vor unserer Zeitrechnung die Stadt Miletos (Milet) gegen die persischen Besetzer rebellierten (als Teil des sogenannten Ionischen Aufstands) und von Athenern unterstützt wurden, spitzte sich die Lage zu. Der persische König Dareios verlangte die Unterwerfung der griechischen Städte, die daran aber nicht dachten. Im Gegenteil, Athen und Sparta töteten die persischen Boten und provozierten Dareios so zu einer Invasion. Ob Dareios, wie später auch sein Sohn Xerxes, wirklich das komplette Griechenland unterwerfen wollte oder ob es sich bei der Schlacht bei Marathon doch nur um eine Strafexpedition gehandelt hat, darüber ist man sich nicht im Klaren. Aktuell tendiert man aufgrund des geringen Umfangs der persischen Truppen aber eher zu Letzterem.

Der persische König Dareios sah sich selbst als vom Gott Ahura Mazda Auserwählten, so solle er der „Könige der Könige“ und „Meister der Welt“ werden. Er eroberte unter anderem Ägypten, Babylonien und auch den lydischen Teil Kleinasiens, sowie weitere kleinere Staaten. An Griechenland sollte er aber scheitern.

 Dareios-Figur auf der sogenannten Perservase
Dareios-Figur auf der sogenannten Perservase

Das Schlachtfeld

Es war im Jahr 490 vor unserer Zeitrechnung als die Perser mit angeblich 600 Trieren an einem Strand 35 Kilometer nördlich von Athen landeten. Die Ebene von Marathon wurde unter anderem von Hippias vorgeschlagen, der ein ehemaliger Herrscher in Athen war und vertrieben wurde. Vorteile der Landung an der Ebene von Marathon war zum einen die unmittelbare Nähe zu Athen und ein gutes Ausgangsfeld für die Reiterei der Perser, einer ihrer stärksten Waffen. Ursprünglich wollten die Perser wohl im Hafen von Phaleron anlegen. So konnten sie hingegen an der unverteidigte Bucht von Marathon ihr Lager aufschlagen.

Buchtipp: Der Lange Krieg: Schlacht von Marathon

Das Buch „Der Lange Krieg: Schlacht von Marathon“ von Autor Christian Cameron ist das zweite Band in der Reihe „Die Perserkriege“. Im Mittelpunkt dieses historischen Romans steht Arimnestos von Platäa, der sich als Sklave seine Freiheit erkämpft hatte. Doch sein Frieden währt nur für kurze Dauer. Die Perser sind auf dem Vormarsch und wollen die Griechen unterjochen. Erneut muss Arimnestos zur Waffe greifen. Nach dem die Seeschlacht von Lade geschlagen und mit Milet die letzte griechische Bastion fällt, spitzt sich alles in Marathon, vor den Toren Athens, zu.

Wer die Perserkriege und das antike Griechenland von einer ganz besonderen Seite erleben möchte, der sollte das Buch „Der Lange Krieg: Schlacht von Marathon“ auf jeden Fall lesen. In der Erzählform der Ich-Perspektive taucht man in die antike Zeit und erlebt die epische Schlacht von Marathon direkt mit. Cameron schafft es wie kein anderer Autor die damalige griechische Welt zum Leben zu erwecken.

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Die Truppenstärke

Auf Seiten der Griechen stand ein Heer von rund 9.000 Hopliten aus Athen, die wiederum von rund 1.000 Hopliten aus Plataiai unterstützt wurden. Insgesamt geht man von einer griechischen Truppenstärke von 10.000 – 11.000 Mann aus. Laut Herodot wurde auch ein athenischer Bote mit Namen Pheidippides nach Sparta geschickt, mit der Bitte um militärische Unterstützung. Diese kam aber nie rechtzeitig an.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. So berichtet Herodot, dass die Spartaner erst den Vollmond abwarten wollten bzw. mussten. So sollen die Spartaner der Bitte zwar offen gegenübergestanden haben, aufgrund der religiösen Feierlichkeiten des Apollon Karneios durften sie aber nicht die Stadt vor dem nächsten Vollmond verlassen. Angeblich stammt diese Information aber aus athenischen Quellen, die mit damit evtl. das kriegerische Sparta diskreditieren wollten. Ganz nach dem Motto: „Wer braucht schon die Krieger aus Sparta, wir Athener können selbst ganz Griechenland vor den Persern schützen.“ Es gibt bis heute keinerlei gesicherten Informationen über den Grund und die Dauer der Verspätung der Spartaner.

Doch auch trotzt des Fehlens der Spartaner, war alleine schon die Bitte um Unterstützung ein großer Schritt in der Geschichte Griechenlands. Bisher standen sich die griechischen Stadtstaaten oft untereinander im Krieg und das trotz der gemeinsamen Sprache und Religion. Die persische Invasion führte zu einem Umdenken und die Notwendigkeit zusammen, Seite an Seite, gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen.

Auf Seiten der Perser geht man von einer Truppenstärke von 12.000 bis 15.000 Mann, sowie 200 Reiter aus.

Der Schlachtverlauf

Die Athener und ihre Verbündeten bezogen Stellung bei einem Heiligtum des Herakles, von dem sie die persische Landung in der Bucht beobachten konnten. Wie dann der weitere Schlachtverlauf war ist unklar, da mehrere Quellen voneinander abweichen. Laut Herodot sollen sich die beiden Heere mehrere Tage abwarteten gegenübergelegen haben. Andere Quellen wiederum berichten von einem athenischen Sturmangriff. Es ist aber nicht klar, warum die Griechen ihre gesicherte Stellung in einem Sturmangriff aufgegeben haben sollten. Andere historische Quellen wiederum, wie die des römischen Geschichtsschreibers Cornelius Nepos, sind der Meinung, dass die Perser den ersten Schritt gemacht haben.

Herodot berichtet, dass es der Feldherr Miltiades war, der die Athener Strategen davon überzeugen konnte, das ein Erstschlag besser wäre als ihre Stellung zu verteidigen. Schließlich hatten die Perser das Meer im Rücken und damit einen entscheidenden Nachteil.

Anstürmende griechischen Truppen in der Schlacht von Marathon
Anstürmende griechischen Truppen in der Schlacht von Marathon - Gemalt von Georges Rochegrosse

Durch eine geschickte Stellung unter der maximalen Ausnutzung des vorhandenen Terrains griffen die Griechen also an. Die Perser waren auf diesen Sturmangriff nicht vorbereitet und wurden so zu ihren Schiffen zurückgedrängt und zum Rückzug gezwungen.

Dank einer Gefallenenliste ist bekannt, wie vielen Athenern dieser Angriff das Leben kostete. Von 192 Gefallenen ist hier die Reden. Bei den Verlusten der Perser ist man sich nicht einig. Herodot spricht von etwa 6.400 gefallenen Toten, dies würde exakt das Verhältnis 100:3 wiederspiegeln, weshalb man auch bei dieser Zahl vorsichtig sein sollte.

Die Spartaner trafen übrigens noch auf dem Schlachtfeld ein, da war die Schlacht aber schon lange geschlagen. Laut dem Mythos gratulierten sie den Athenern und machten sich wieder auf die Heimreise.

Im Nachhinein wurde, ob gewollt oder nicht, die Schlacht bei Marathon mystifiziert. So sollen legendäre griechische Helden von den Toten auferstanden sein, um bei der Verteidigung von Athen zu helfen. Die Rede ist vom mythischen König Theseus und der ein oder andere Hoplit will Herakles gesehen haben, wie er mit einer Keule die Perser vertrieb. Auch durch diese Erzählungen wurde die Schlacht bei Marathon unter der griechischen Bevölkerung auf den Rang einer Legende erhoben. Das wiederum half Athen für die historische Legitimation der eigenen hegemonialen Bestrebungen in Griechenland. Doch schon der Historiker Theopomp im 4. Jahrhundert v. Chr. stellte fest, dass Athen mit vielen falschen Behauptungen die Schlacht aufzuwerten versucht hatte. Angeblich soll es sich laut Theopomp, nur um „ein unbedeutendes kurzes Gefecht am Strand“ gehandelt haben.

Was die Schlacht von Marathon mit dem Marathon zu tun hat

Angeblich wird der heute noch bekannte moderne Langstreckenlauf Marathon genannt, um einen Soldaten zu ehren, der nach dem Sieg der Schlacht bei Marathon nach Athen zurücklief, um den Sieg zu verkünden.

Soldat Pheidippides überbringt die Nachricht vom Sieg in der Schlacht bei Marathon
Der Soldat Pheidippides überbringt die Nachricht vom Sieg in der Schlacht bei Marathon - Gemalt von Luc-Olivier Merson

Ob diese Geschichte war oder Legende ist, bleibt aber umstritten.

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Artikel veröffentlicht am 15.08.2020

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