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Sokrates

Wer an Philosophie interessiert ist und sich die verschiedenen philosophischen Lehren anschauen möchte, der kommt an Sokrates, dem wohl bekanntesten griechischen Philosophen nicht vorbei. Seine Lehren haben die Entwicklung der Philosophie stark beeinflusst und wirken bis heute nach.

Steckbrief

Steckbrief: Sokrates
Geburtsjahr ca. 469 v. Chr.
Geburtsort Alopeke / Athen, Griechenland
Sterbejahr 399 v. Chr.
Sterbeort Athen, Griechenland
Eltern Sophroniskos, Phainarete
Geschwister Patrokles (Halbbruder)
Frau Xanthippe und Myrto
Kinder Lamprokles, Menexenos, Sophroniskos
Sokrates in Emojis 🗣️,❓,❗, 🔍
Bekannt für Sokrates gilt als einer der bedeutendsten Philosophen der westlichen Philosophiegeschichte und als Begründer der sokratischen Methode (auch Mäeutik genannt). Diese Methode beruht auf dem Dialog, bei dem durch gezieltes Fragen und Antworten Wissen hervorgebracht wird.
Lehrer Es ist wenig über seine Lehrer bekannt, aber er wurde stark von den Sophisten beeinflusst
Schüler Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Platon, Alkibiades und Xenophon, die viele seiner Dialoge und Ideen schriftlich festgehalten haben
Lebensweise Sokrates führte ein einfaches und bescheidenes Leben. Er war bekannt für seine einfache Kleidung und seine Unempfindlichkeit gegenüber materiellen Bedürfnissen. Er verbrachte viel Zeit in den Straßen Athens, wo er mit den Bürgern philosophische Diskussionen führte.
Prozess und Tod Im Jahr 399 v. Chr. wurde Sokrates wegen Gottlosigkeit und der Verführung der Jugend angeklagt. Trotz der Möglichkeit, ins Exil zu gehen, wählte er den Tod durch den Schierlingsbecher, da er der Meinung war, dass es seine Pflicht sei, den Gesetzen seines Staates zu folgen.
Nachwirkung Sokrates' philosophische Ansichten und Methoden wurden durch die Schriften seiner Schüler, insbesondere Platons, weitergetragen und haben die westliche Philosophie tiefgreifend beeinflusst. Seine Ideen zur Ethik, zur Rolle des Staates und zur Methode der Erkenntnisgewinnung sind bis heute von großer Bedeutung.
Wichtige Werke (durch seine Schüler überliefert)
  • Platons Dialoge: "Apologie", "Kriton", "Phaidon", "Gorgias" und viele andere, in denen Sokrates oft die Hauptfigur ist und seine philosophischen Gedanken darlegt.
  • Xenophons Schriften: "Erinnerungen an Sokrates" (Memorabilia), "Gastmahl" (Symposion) und andere Werke, die Einblicke in das Leben und die Lehren des Sokrates geben.
Zitat "Ich weiß, dass ich nicht weiß."

Wer war Sokrates?

Sokrates wird von vielen Gelehrten als der Begründer der westlichen Philosophie gesehen, was umso bemerkenswerter ist, als er keinerlei selbstverfasste Schriften hinterlassen hat. Alles, was man heute über seine Lehre weiß, stammt aus später verfassten Schriften von Zeitgenossen oder Schülern. Nach Sokrates ist Leben, das nichts hinterfragt, kein menschenwürdiges Leben. Auf dieser Grundlage entstand wohl auch die sogenannte "sokratische Methode". Sie beinhaltet einen interrogativen Diskurs, der dazu dient, Probleme und mögliche Lösungen zu erörtern. Dank Sokrates findet diese von ihm erdachte Methode seit dem 5. Jahrhundert vor Christi Geburt bis heute vor allem im juristischen Umfeld sehr häufig Anwendung.

Büste von Sokrates - Gemalt von Jacob Kornerup
Büste von Sokrates - Gemalt von Jacob Kornerup (Dänisch, 1825 – 1913)

Das sokratische Problem

Die Tatsache, dass die philosophische Lehre des Sokrates nur aus Schriften anderer extrahiert werden kann, führt zu einem Problem, dass es sich auch bei Jesus von Nazareth zeigt. Wie gelingt es, die historische Person des Sokrates von dem Philosophen zu unterscheiden, den die Nachwelt durch Interpretation aus ihm gemacht hat. Das gelingt wohl am ehesten, wenn man sich darauf konzentriert, zusammenzutragen, was von der historischen Person des Sokrates bekannt ist.

Geburt des Sokrates

Laut Diogenes Laertios stammte Sokrates aus dem athenischen Demos Alopeke der Phyle Antiochis. Von Platon wissen wir, dass er im Jahre 399 v. Chr. etwa 70 Jahre alt war, woraus sich 469 v. Chr. als Geburtsjahr ergibt. Bei Diogenes Laertios finden sich zudem Hinweise, dass Sokrates Sohn eines Steinmetzes oder Bildhauers namens Sophroniskos war. Bei Platon wiederum ist zu lesen, dass eine Hebamme mit Namen Phainarete seine Mutter war und dass er mütterlicherseits einen Halbbruder namens Patrokles hatte. Dieser wird auf der athenischen Akropolis in einer Inschrift erwähnt, die ihn für 406 oder 405 v. Chr. als Ordner bei Wettkämpfen der Panathenäen, dem wichtigsten und größten politischen und religiösen Fest im Athen der damaligen Zeit, aufführt.

Das Leben des Sokrates

Darüber, wie Sokrates aufgewachsen ist und welche Ausbildung er machte, ist nicht viel bekannt. Bekannt ist, dass Sokrates verheiratet war. Als seine Frau wird Xanthippe angeführt. Mit ihr hatte Sokrates drei Söhne. Bei seinem Tod waren zwei der Söhne noch im Kindesalter. Daraus lässt sich schließen, dass Xanthippe deutlich jünger gewesen sein muss als Sokrates.

Schule und Ausbildung

Manche Historiker glauben, dass Sokrates eine Ausbildung durchlaufen hat, wie sie für die damalige Zeit üblich war. Dazu gehörten etwa Alphabetisierung, Gymnastik und Musikerziehung, aber auch Geometrie, Astronomie sowie das Studium der wichtigsten Dichter, zu denen vor allem Homer zählte. Glaubt man Platon, wurde Sokrates auch von zwei Frauen unterrichtet, nämlich von Aspasia, der Frau des Perikles, und von der Seherin Diotima. Zu seinen Lehren zählte der Naturphilosoph Anaxagoras. Mit dessen Schüler Archelaos reiste Sokrates nach Samos. Weitere Lehrer des Sokrates waren der Sophist Prodikos sowie Damon, ein Musiktheoretiker, der den Lehren des Pythagoras nahestand. Beim Philosophiehistoriker Diogenes Laertios finden sich Angaben zur Berufsausbildung des Sokrates. Laut ihm arbeitete Sokrates als Bildhauer und tat es seinem Vater gleich. Angeblich wurde von Sokrates auf der Akropolis sogar eine Charitengruppe gestaltet. Da seine Schüler eine solche Berufstätigkeit allerdings nirgends erwähnen, hat er eventuell nicht lange als Bildhauer gearbeitet und zumindest gegenüber seinen Schülern auch nicht erwähnt.

Militärische Laufbahn

Im Gegensatz zu seiner schulischen und beruflichen Ausbildung gibt es bezüglich seines Militärdienstes konkrete Daten. Vor allem zu seinen militärischen Einsätzen im Peloponnesischen Krieg (431–404 v. Chr.) sind Nachweise vorhanden. Sokrates Dienste als sogenannter Hoplit, also als Infanterist mit schwerer Bewaffnung. In dieser Funktion nahm er nicht nur an der Belagerung von Potidaia in den Jahren 431–429 v. Chr. teil, sondern auch an den Schlachten von Delion 424 v. Chr. und Amphipolis 422 v. Chr. Daraus ergibt sich, dass er über finanzielle Mittel verfügte, da er als Hoplit selbst für die Kosten seiner Ausrüstung aufkommen musste. Sokrates machte als Soldat großen Eindruck, nicht nur auf einen Feldherrn namens Feldherrn Laches, sondern auch auf seinen Schüler Alkibiades. Vor allem die Art, wie er mit widrigen Umständen wie Hunger, Kälte und andere Entbehrungen umging, verschaffte ihm Anerkennung. Es wird beschrieben, wie er etwa beim Rückzug nach der Niederlage von Delion nicht einfach floh, sondern überlegt, selbstbewusst und immer verteidigungsbereit blieb. Er bewies Besonnenheit, Entschlossenheit und Mut, wo andere den Kopf verloren. Besondere Aufmerksamkeit erlangte Sokrates laut Erzählung seines Schülers in Platons Symposium dadurch, dass er den verwundeten Alkibiades und dessen sämtliche Waffen in Potidaia rettete. Außerdem überließ Sokrates seinem Schüler eine Tapferkeitsauszeichnung, die eigentlich er selbst erhalten sollte.

Die Lehrtätigkeit des Sokrates

Seine Lehrtätigkeit begann Sokrates vermutlich kurz, nachdem er aus dem Militär ausgeschieden war. Schnell erwarb er sich einen Ruf als Freund der Weisheit und als Philosoph. Durch Xenophon ist bekannt, dass Sokrates den meist belebten Marktplatz von Athen als seinen hauptsächlichen Wirkungskreis ansah. Dort war er den ganzen Tag zu finden, sprach die vorbeilaufenden Menschen auf ihren Lebenswandel an, prüfte angehende Politiker mithilfe seiner sokratischen Methode auf ihre Fähigkeit, die Belange der Gemeinschaft (Polis) verstehen und vertreten zu können. Jeder war eingeladen, seinen Ausführungen zuzuhören. Eine Besonderheit des Sokrates bestand darin, dass er sich, im Gegensatz zu den Sophisten, für seine Lehrtätigkeit nicht bezahlen ließ.

Tod – Wie starb Sokrates?

Schon früh, etwa in der 423 v. Chr. aufgeführten Komödie "Die Wolken" des Dichters Aristophanes, wird Sokrates mit dem Vorwurf der Gottlosigkeit konfrontiert. Schließlich kam es im Jahre 399 v. Chr. zu einer Anklage, in der Sokrates Gottlosigkeit vorgeworfen wurde. Zudem beschuldigte man ihn, durch seine Lehre des Individualismus die Jugend zu verderben. Sokrates wurde in einem Prozess mit knapper Mehrheit für schuldig befunden. Als er dem Gericht, wie es sein Recht war, vorschlug, eine kleine Geldbuße zu zahlen, brachte er dieses gegen sich auf, sodass bei einer erneuten Abstimmung fast alle Richter für die Todesstrafe stimmten. Sokrates hätte mithilfe von Freunden aus dem Gefängnis fliehen können, entschied sich aber dagegen. Er wollte dem Gesetz gehorchen und war bereit, für seine Sache zu sterben.

"Es ist besser, Unrecht zu leiden als Unrecht zu tun." - nach Platon, Gorgias, 474b (Original griech.: "τὸ ἀδικεῖν τοῦ ἀδικεῖσθαι κάκιον"; spr. "to adikeín tu adikeístai kákion."; wörtl.: „Unrechttun ist schlechter denn Unrechtleiden.“)
In diesem Gefängnis in Athen soll Sokrates seine letzten Nächte vor seinem Tod verbracht haben
In diesem Gefängnis in Athen soll Sokrates seine letzten Nächte vor seinem Tod verbracht haben

Er starb 399 v. Chr. durch Gift, das ihm in Form des berühmten Schierlingsbechers gereicht wurde. Seinen Tod beschreibt Platon in seinem Dialog "Phaidon".

Tod des Sokrates von Jacques-Louis David
Tod des Sokrates von Jacques-Louis David

Sokrates und seine Philosophie - einfach erklärt

Sokrates vertrat die Auffassung, dass jeder Mensch vernunftbegabt ist und die Wahrheit in sich trägt. Allerdings ist diese, wie ein noch nicht geborenes Kind, tief in ihm verborgen und kann nur durch ein gezieltes Frage- und Antwortspiel „geboren“ werden. Sokrates wird die Aussage zugeschrieben, dass er einerseits den väterlichen Beruf des Bildhauers ausübe und versuche, den Menschen eine Form zu geben, und dass er andererseits versuche, wie seine als Hebamme tätige Mutter, Erkenntnisse zu gebären.

Für Sokrates waren also vor allem ethische Fragen die Basis seiner philosophischen Lehre. Diese baute er auf dem schon erwähnten Gedanken auf, dass jeder Mensch über das gleiche Verständnis und dieselbe Definition bezüglich Gerechtigkeit, Liebe, Tugend und Selbsterkenntnis verfügt, wenn auch im Verborgenen. Sokrates war daher der Auffassung, dass es vor allem die Unkenntnis, nicht eine absichtliche Bösartigkeit, die Ursache aller Laster ist. Erkenntnis definierte er dabei als Tugend im Sinne der Tüchtigkeit. Laut ihm mussten also diejenigen richtig, also tugendhaft, handeln, die zwischen Recht und Unrecht unterscheiden können. Als Grundgedanken diente Sokrates, dass alles nützlich ist, was tugendhaft ist und schädlich, was sich als lasterhaft erweist. Neben ethischen Fragen interessierte sich Sokrates besonders für die Logik und befasste sich daher auch mit der Formulierung allgemeiner Definitionen.

Sokrates - Schüler und Einfluss

Der wohl bekannteste Schüler des Sokrates war Platon. Aber auch Xenophon und der bereits genannte Alkibiades zählen zu den Schülern des Sokrates. Großen Einfluss hatten die Lehren des Sokrates auch auf andere bekannte Philosophen. So beeinflusste er beispielsweise Denker wie Antisthenes und Aristipos. Auf sie gehen die Strömungen der Kyniker und der Kyrenaiker zurück. Aus diesen wiederum entwickelte später Epikur seine Lehren. Geistiges Vorbild war Sokrates darüber hinaus für berühmte Stoiker wie Epiktet, Seneca den Älteren, den bekannten römischen Denker, sowie Kaiser Marc Aurel.

Sokrates im Kreise seiner Schüler - Gemalt von Jacob van Schuppen
Sokrates im Kreise seiner Schüler - Gemalt von Jacob van Schuppen (Niederländer, 1670–175)

Quellen



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